Organisation & Finanzen
Nachrichten
Zahl der deutschen Stiftungen klettert auf über 18.100
Im Jahr 2010 sind in Deutschland 823 rechtsfähige Stiftungen bürgerlichen Rechts gegründet worden. Auf die alten Bundesländer (und Berlin) entfällt mit 760 Stiftungen das Gros der Neugründungen. In den fünf östlichen Bundesländern erhielten 63 neue Stiftungen die Anerkennungsurkunde. Damit existieren insgesamt 18.162 Stiftungen in Deutschland. Dies entspricht einer moderaten Wachstumsrate von 4,5 Prozent.
“Die Effekte der Wirtschafts- und Finanzkrise und das in den vergangenen Jahren schwierige konjunkturelle Umfeld spüren wir jetzt zeitverzögert im Stiftungswesen. Dies manifestiert sich vor allem im Rückgang der Neugründungszahlen bei den Wirtschaftsgrößen Bayern (15 Neugründungen weniger als 2009), Rheinland-Pfalz (-17) und Baden-Württemberg (-24) im Vergleich zum Vorjahr. 2007 haben wir bei den Stiftungsgründungen in Deutschland den vorerst höchsten Gipfel erreicht, jetzt pegeln sich die Errichtungszahlen auf hohem Niveau ein”, stellt Dr. Wilhelm Krull, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen und Generalsekretär der VolkswagenStiftung, fest.
Leichtes Plus bei Stiftungsgründungen im Osten und Norden Im Vergleich zum Vorjahr können nur wenige Bundesländer ein Plus bei den Neugründungen verzeichnen. Dazu gehören – wenngleich auf kleinem Niveau – vier der ostdeutschen Bundesländer, Brandenburg (+2), Mecklenburg-Vorpommern (+1), Sachsen-Anhalt (+2) und Thüringen (+1), und sogar mit einem deutlichen Plus Schleswig-Holstein (+10).
Stiftungen ballen sich im Raum Rhein-Ruhr
Die meisten Neugründungen – in absoluten Zahlen gemessen – kann das bevölkerungsreichste Flächenland, Nordrhein-Westfalen, mit 176 Stiftungen aufweisen. Nach wie vor haben die meisten Stiftungen (3.510) dort auch ihren Sitz. Setzt man allerdings die Zahl der Stiftungen ins Verhältnis zur Einwohnerzahl (Stiftungsdichte) muss sich NRW mit 20 Stiftungen pro 100.000 Einwohner abgeschlagen nach den anderen Flächenländern Hessen (27/100.000), Bayern (27/100.000), Baden-Württemberg (25/100.000), Niedersachsen (24/100.000) und Schleswig-Holstein (23/100.00) auf den sechsten Platz einreihen.
Die wenigsten Stiftungen (je 151) sitzen in den beiden bevölkerungsärmsten Flächenländern: im Saarland und in Mecklenburg-Vorpommern. Die geringste Stiftungsdichte hat Brandenburg mit sechs Stiftungen pro 100.000 Einwohner.
Würzburg: Spitzenstadt im Stiften
Die Würzburger engagieren sich traditionell besonders stark für das Gemeinwohl und holten im Jahr 2010 zum zweiten Mal in Folge den Titel Stiftungshauptstadt. Dabei bauten die Würzburger ihren Vorsprung auf 77 Stiftungen pro 100.000 Einwohner aus. Die nächstgelegene größere Stadt, Frankfurt am Main, bleibt auf Platz zwei im Städteranking (72/100.000). Hamburg ist nach wie vor die Stadt mit den meisten Stiftungen (1.199) und behauptet sich mit einem absoluten Zuwachs von 33 neuen Stiftungen souverän im Städteranking auf Platz drei (68/100.000).
Prof. Dr. Hans Fleisch, Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen: “Stifter und Stifterinnen sind Vorreiter der Mitmachgesellschaft. Seit Jahrhunderten schultern sie freiwillig Gemeinwohlaufgaben. Wichtig ist für uns jetzt, den Sympathievorschuss in Stiftungen einzulösen. Deshalb setzt der Bundesverband Deutscher Stiftungen im Jahr 2011 auf das Leitmotiv Transparenz und treibt die Entwicklung der Grundsätze Guter Stiftungspraxis voran.”
Bürgerstiftungen wachsen dynamisch
Als Trend sind andere Formen des Stiftens wie die Zustiftung (Erhöhung des Stiftungsvermögens einer bereits bestehenden Stiftung) bzw. die Treuhandstiftung (unselbstständige Stiftung, die durch Treuhandvertrag errichtet wird) auszumachen. Diese “Einsteigermodelle” ins Stiften liegen dabei fernab der offiziellen Statistik, da in diesen Fällen nicht die Anerkennung durch eine Aufsichtsbehörde notwendig ist.
Beispielhaft ist für 2010 die Zustiftung von 15 Millionen Euro in den Kapitalstock der Bürgerstiftung Hamburg durch einen anonymen Mäzen.
Die Zahl der Bürgerstiftungen insgesamt hat sich wie im Vorjahr um 31 erhöht. 207 Bürgerstiftungen tragen das Gütesiegel des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen, das unter anderem für konfessionelle und parteipolitische Unabhängigkeit verliehen wird. (11/02/11; Quelle: Bundesverband Deutscher Stiftungen)



