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Prozessauftakt im Mordfall Dominik Brunner
Zehn Monate nach dem Tod des Managers Dominik Brunner hat vor dem Landgericht München I der Prozess gegen zwei junge Männer begonnen. Der damals 17 Jahre alte Sebastian und der 18-jährige Markus sollen Brunner am Münchner S-Bahnhof Solln zu Tode geprügelt haben, als er sich schützend vor vier Schüler stellte. Gleich nach dem Auftakt wurde die Verhandlung für eine halbe Stunde unterbrochen, da die Verteidigung die Besetzung des Gerichts überprüfen lassen wollte.
Der Vater des getöteten Managers aus dem niederbayerischen Ergoldsbach nimmt als Nebenkläger an dem Prozess teil.
Die Jugendlichen sollen die Schüler bedroht und von ihnen 15 € verlangt haben. Bei der S-Bahnfahrt in Richtung Solln schaltete sich Brunner ein und versuchte zu schlichten. Er verständigte per Handy die Polizei. Dann bot er den vier Kindern an, dass sie mit ihm am S-Bahnhof Solln aussteigen könnten – die verängstigten Teenager nahmen gerne an. Nach dem Aussteigen sollen Sebastian und Markus den 50 Jahre alten Manager binnen Minuten mit Fausthieben und Tritten so verletzt haben, dass er zwei Stunden später im Krankenhaus starb. Für den Prozess ist die Öffentlichkeit zugelassen. Die Anwälte könnten aber den Ausschluss beantragen. Die Anklage lautet auf Mord, die Ermittler gehen von Rache als Motiv aus.
Gerichtsreporterin Gisela Friedrichsen bezeichnet das Verfahren in einem TV-Interview als außergewöhnlich, “weil er doch eine Frage aufwirft, die die Menschen umtreibt. Nämlich: Muss der Bürger, wenn er Zivilcourage zeigt, wenn er sich schützend vor Kinder stellt, damit rechnen, dass er dabei ums Leben kommt, dass er zu Tode geprügelt wird?”
Die Ermittler bezeichneten das Verhalten Brunners später als vorbildlich, er habe alles richtig gemacht – und musste dennoch sterben. Was aber genau am hellichten Tage auf dem S-Bahnsteig geschah, steht bis heute nicht eindeutig fest. Womöglich starteten die zwei Jugendlichen aus eigenem Ansporn ihren Angriff auf Brunner. Zeugen berichteten Medienberichten zufolge aber auch, dass dieser selbst nach dem Aussteigen seine Jacke abgelegt habe und als erster zugeschlagen habe – allerdings sind die Zeugenaussagen den Berichten zufolge nicht eindeutig.
Für die juristische Bewertung der Tat könnte der genaue Ablauf entscheidend werden: Denn angeklagt sind die beiden Heranwachsenden wegen Mordes. Ein Vorwurf, der ins Wackeln geraten könnte, falls auch das Gericht zu dem Schluss kommt, dass Brunner mit dem Schlagen angefangen hat. An der Brutalität der beiden angetrunkenen Jugendlichen ändert dies aber nichts: Innerhalb von wenigen Minuten fügten sie Brunner laut dem Obdukionsergebnis 22 sehr schwere und 22 leichte Verletzungen zu, die schweren Verletzungen führten in ihrer Summe zum Tod.
Zu dem auf neun Verhandlungstage angesetzten Prozess werden fünfzig Zeugen erwartet. Diese sollen mit ihren Schilderungen auch einen Eindruck geben, warum Brunner niemand zur Hilfe kam – schließlich waren zur Tatzeit am Nachmittag sowohl in der S-Bahn als auch am Bahnsteig andere Menschen. Auch die Frage, warum die beiden Angeklagten so ungehemmt zuschlugen, wird eine Rolle spielen.
Richter Reinhold Baier ist mit solcher Art von unfassbar erscheinenden Fällen vertraut. Er verurteilte bereits vor zwei Jahren zwei zur Tatzeit 17 und 20 Jahre alte Männer, die in einer Münchner U-Bahn einen Rentner im Streit ums Rauchen fast totgeschlagen hatten. Beide bekamen lange Haftstrafen. Außerdem führt Baier derzeit den Prozess gegen eine Gruppe Schweizer Jugendlicher, die im vergangenen Jahr wahllos prügelnd durch die Münchner Innenstadt gezogen waren und mehrere Passanten schwer verletzt hatten. (13/07/10; ARD, ZDF, Tagesanzeiger.ch)
Lesen Sie zum Thema den Artikel von Peter Maier über die Dominik-Brunner-Stiftung in S&S 2/2010



